Charta Oecumenica für Bessungen

„Die – konfessionell voneinander geschiedenen – christlichen Gemeinden im Darmstädter Stadtteil Bessungen haben die Fürbitte Jesu Christi vernommen, die die getrennten Christen zur sichtbaren Einheit zusammenruft. Darin erkennen sie die Grundlage ihres gemeinsamen Handelns. Indem sie die folgenden Vereinbarungen unterzeichnen, verpflichten sie sich, auf der Basis der europäischen Charta Oecumenica den Glauben an den einen Herrn Jesus Christus gemeinsam zu bezeugen und den Dienst an den Menschen gemeinsam zu gestalten. Indem sie tun, was eint, teilen sie mit einander die Schätze ihrer jeweiligen Traditionen. Sie vertrauen dabei auf die Kraft des Heiligen Geistes, der sie in die ganze Wahrheit einführen wird.

Gemeinsam erklären sie:

Das Bekenntnis zu Jesus Christus eint uns stärker als alles, was uns trennt. Darum verpflichten wir uns, die Zusammenarbeit der Gemeinden immer mehr zu fördern. Wir wollen Begegnung suchen, gemeinsam auf das Evangelium Jesu Christi hören, beten und handeln.“

Gottesdienst. Gemeinsame Gottesdienste fördern und vertiefen die geistliche Gemeinschaft zwischen unseren Gemeinden. Sie sind ein Zeichen des Gehorsams gegenüber Jesus Christus, ein Weg des Lernens und ein Signal an die Öffentlichkeit. Wir wollen die ökumenischen Gottesdienste in Bessungen pflegen, erhalten und nach Möglichkeit vermehren.

Spiritualität. Die ökumenische Zusammenarbeit ist ein Signal der Ermutigung für Menschen, die in ihren unmittelbaren Lebenszusammenhängen (besonders in Ehe und Familie) die Verschiedenheit der Konfessionen als Herausforderung, Last oder gar Anfechtung erleben. Gemeinden, die nach gemeinsamer Wahrheit fragen, können zur Heimat auch für suchenden Menschen werden. Wir wollen uns öffnen für die Vielfalt der Formen christlicher Spiritualität, sie kennen lernen und wertschätzen. Wir wollen Neues erproben ohne uns zu überfordern.

Glaubensinformation und Gespräche. Im gemeinsamen Studium der christlichen Überlieferung, allem voran der Heiligen Schrift, zeigt es sich, wie die unterschiedlichen konfessionellen Perspektiven nicht zu Streit und Rechthaberei, sondern zum Dialog und zu präziseren Fragen nach Erkenntnissen des Glaubens führen.

Auch die Begegnung mit Menschen, die sich nicht zum christlichen Glauben bekennen, ist auf ökumenischer Basis aussichtsreich: Sie fördert Offenheit, Vertrauen, Respekt und Verstehen.

Wir wollen die Gelegenheiten zur Glaubensvertiefung in Begegnung und Gespräch, zur Herzensbildung und Schulung der Gewissen nutzen und vermehren.

Ökumenische Begegnungen. Wir freuen uns über Gäste: Christen aus anderen Gemeinden in der Nähe und der Ferne, Menschen, dies selbst keine Christen sind, wie auch Besucher und Gruppen aus unserem städtischen Umfeld sind uns willkommen.

Indem wir in ökumenischer Weite Gastfreundschaft pflegen und Begegnungen ermöglichen, nehmen wir Anteil am Leben der jeweils anderen und schaffen Raum auch für persönliche Beziehungen. Vertrauen kann wachsen. Wir wollen einander – besonders zu den festlichen Anlässen in den Gemeinden – einladen.

Gemeinsame Projekte. Die Zusammenarbeit bei Projekten bietet viele Chancen. Leitungsgremien, Mitarbeitende und Gruppen, Haupt- und Ehrenamtliche kommen in Kontakt. Eine Projektgruppe kann in einem überschaubaren Zeitraum stellvertretend und im Auftrag der Gemeinden handeln und sie so entlasten. Gemeinsam werden Angebote realisiert, die eine einzelne Gemeinde so nicht entwickeln könnte.

Wir wollen erfolgreiche Projekte und erfolgversprechende Ideen in unsere Planungen aufnehmen, gemeindeübergreifendem Austausch von Mitarbeitenden Raum geben und ökumenische Projektgruppen bilden.

Öffentlichkeit der Stadt beziehungsweise des Stadtteils. Die Zusage Jesu an seine Nachfolger, „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein, ist uns Auftrag und Verheißung. Wir wollen unseren Glauben öffentlich bezeugen und so Mitverantwortung für die Welt übernehmen. Wir setzen uns ein für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Im Blick auf unseren Stadtteil wollen wir gemeinsam und aufeinander abgestimmt diakonisch handeln.

Die „Ökumenisch Gemeinderunde“ Bessungen arbeitet mit einem Mandat der Leitungsgremien der Gemeinden (Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstände, Gemeinderat). Sie achtet auf die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen und gibt den Leitungsgremien regelmäßig Bericht.

Darmstadt, 1. Oktober 2006